Fahrtensegeln

Aktivitäten

Zahlreiche Eignerschiffe und auch die vereinseigene Ausbildungsyacht „Teamwork“ sowie unser Jugendwanderkutter „MiM“ sind regelmäßig auf See. Vom Kurztörn über wenige Tage bis zur Langfahrt über mehrere Monate werden individuelle Fahrten in die dänische Südsee, aber auch zu entfernten Zielen unternommen. Das Segelrevier reicht dabei vom Nordkap bis Gibraltar und von den Hebriden bis nach St. Petersburg. Sogar Weltumsegelungen wurden schon erfolgreich unter dem MSK-Stander durchgeführt.

Aber auch gemeinschaftliche Aktivitäten unserer Fahrtensegler bereichern das Vereinsleben: So werden immer zum Anfang und zum Ende der Saison Flotillenfahrten am Wochenende veranstaltet. In unregelmäßigen Abständen finden sich gemischte MSK-Crews zusammen, um mit Charteryachten entfernte Segelreviere zu erkunden. Und diverse Vorträge über interessante Reisen bereichern das Veranstaltungsprogramm im Winter.

Natürlich darf auch eine jährliche Preisvergabe nicht fehlen: Nach verschiedenen Kriterien werden diverse Fahrtenpreise ausgelobt und an die siegreichen Crews der vergangenen Segelsaison im Rahmen des traditionellen „Bildercafés“ überreicht.

Fahrtenspiegel 2018

Bootsname Skipper Typ Ydst Fahrtgebiet sm Tage
Anjinsan Drichelt, Uwe Dehler 34 99 Großer Belt - Rund Seeland - Smalandsfahrwasser 434 26
Christine Schwarz, Klaus Granada 38 94 M´ort - Mommark - Aarösund - Kongebro - Hov - Ebeltoft - Marup - Kerteminde - Lundeborg - Marstal - Maasholm - M´ort 310 10
Circe Stahl, M. HR 352 109 Südl. Kattegatt - Kleiner Belt - Westl. Ostsee 242 14
Circe Harms, Bernd HR 352 109 Westl. Ostsee - Kleiner Belt - Samsö - Aarhusbucht - Gr. Belt 233 23
ENJOY! Scheidler, Holger Dehler 35 90 Möltenort - Rügen - Hanöbucht - Kalmarsund - Gotland - Öland - Nördl. Seeland - Möltenort 1165 72
Fiordiligi Krupinska, Frank Fjord MS 33 113 Westküste Ostsee - Langelandsbelt - Gr. Belt - Kattegatt - Skagerrak - Norwegische Süd- und Westküste - Lofoten - Västeralen - Narvik-Fjord - Tromsö 1737 60
Geronimo Möller, Rainer XC42 87 Möltenort - Lemkenhafen - Omö - Vordingborg - Barhöft - Greifswald - Vilm - Greifswald - Klintholm - Dragör - Ven - Hornbaek - Anholt - Ockerö - Tistlarna - Göteborg - Kungsö - Anholt - Langör - Endelave - Jelsminde - Middelfart - Haderslev - Fynshav - Maasholm - Möltenort 740 35
Imme Rath, Jan-Peter Winga 87 115 Möltenort - Warnemünde - Barhöft - Kloster - Lohme - Sassnitz - Peenemünde - Krummin - Kröslin - Baabe - Neuhof - Barhöft - Warnemünde - Kühlungsborn - Möltenort 425 22
Insa Conradi, Aeuke Dehler 32 96 Kieler Förde - Bornholm - Stockholmer Schärengarten - Christiansö - Kieler Förde 1150 33
Jule Menke, Gerhard Dehler 34 99 Möltenort - Swinemünde - Danzig - Kaliningrad - Klaipeda - Tallinn - Helsinki - Aalandinseln - Nynäshamn - Bornholm 1881 65
Laufmasche Jentsch, Rudi; Paasch, S. X-412 87 Lille Baelt - Kattegatt - Laesö - Anholt - Samsö - Store Baelt - Dänische Südsee - Westl. Ostsee - Kieler Förde 566 32
Margarita Bonsen, Alexander Comfortina 32 103 Schlei - Kleiner Belt - Kattegatt - Dän. Südsee 326 26
Methusalem Petersen, Matthias Hamseat MKIII 104 Burgstaaken - Gedser - Trelleborg - Falsterbro - Dragör - Häfen auf Seeland - Samsö - Juelsminde - Häfen im Kleinen Belt - Sönderborg - Häfen in der Schlei - Möltenort 452 46
MiM Michael Groth Jugendwanderkutter 118 M´ort - Schleim. - Mommark - Sonderb.- Aerösköbing - Fjelle- broen - Lyö - Mommark - Sundsacker - Damp - Wentorf - M´ort 200 11
Moana Segin, Peter Norlin 34 101 Möltenort - rund Sjaelland - Möltenort 442 32
Malinda III Richardt, Uwe OE 32 108 Heiligenhafen - Kühlungsborn - Wismar - Kappeln 197 18
Naucum Weisbrod, Jürgen Dehler Duetta 94 104 Dänische Südseee - Schlei - Flensburger Förde 250 20
Nele Goll, Ulrich Great Dane 28 110 Südl. Ostsee - Samsö - Jütland 288 26
Nordstern Düvel, Hasso Vilm 117 105 Dänische Südsee - Rund Seeland - Küste Mecklenburgs - Warnemünde - Fehmarn - Kiel 506 36
Pay No Mind Rathje, Sönke Hanse 312 100 Großer Belt - Kleiner Belt - Kattegatt 350 23
Phylax Bremert, Dietrich Helmsman 35 101 M´ort - Mommark - Aarösund - Kongebro - Hov - Ebeltoft - Marup - Kerteminde - Lundeborg - Marstal - Maasholm - M´ort 310 10
Pinta* Schünemann, Jörg Jeanneau 349 nb Lübecker Bucht - Fehmarn -Dänische Südsee 280 10
Pütting Fiebig, Helmut Concord 38 98 Möltenort - Ebeltoft - Aarhus und zurück 336 22
Rasmus Meincke, Jens Maxi 999 101 Möltenort - Kerteminde - Langör - Grenaa - Lynaes - Nexelö - Korshavn - Toröbucht - Wackerballig - Karschau - Möltenort 527 27
Smuggler Ehlenberger, Ludwig Sagitta 28 113 Flensburger Förde - Alsen - südl. Fünen 156 11
Sös Figge, Norbert Luffe 40.04 86 Nyköbing - Aalborg - Hals -Grena - Korshavn - Tunö - Aarhus -Juelsminde - Bagö - Svendborg - Heikendorf 342 16
Spirit of Wind Voigtländer, Rolf Bavaria 37 CR 95 Kieler Bucht - Schlei - Kleiner und Großer Belt - Kattegatt 684 50
Teamwork Loss, Hanfried Jeanneau 36 100 Kiel - Kappeln - Alsensund - Middelfart - Juelsminde - Samsö - Arhus - Juelsminde - Mosvig - Fynshav - Farborg - Svendborg - Lunkebucht - Rudköbing Sund - Marstal - Damp - Kiel 372 14
Tiwana* Kemlein, Walter Dufour 102 Maasholm - Langballigau - Dyvig - Fünen - Kappeln - Möltenort 180 7
Vaelta Jaster, Meinhard Bandholm 30 109 Mötenort - Marstal - Omö - Vordingborg - Rödvig - Ystad - Karlshamn - Karlskrona - Kalmar - Västervik - Sönderköping - Göta-Kanal /Vänern/Vättern - Trollhättan-Kanal - Göteborg - Lyresund - Gullmarsfjord - Stenungsund - Rörö - Strandby - Grenaa - Aarhus - Ega - Middelfart - Höruphav - Möltenort 1197 75
Wanda Eckert, Uwe Vilm 117 105 Möltenort - Kl. Belt - Anholt - schwed. Westküste - norw. Südküste - Skagerrak - Limfjord - Kl. Belt - Möltenort 1018 59
Yale Blue Petersen, Dirk Vision 32 101 Nordjütland - Westschweden - Schären/Göteborg - Ven - Dragör - Femö - Spodsbjerg - Möltenort 470 22
Zephyros Falk, Rüdiger Victoire 22 118 Möltenort - Marstal - Lohals - Kerteminde - Lundeborg - Svendborg - Drejö - Aerö - Avernakö - Schleimünde - Möltenort - Eckernförde - Maasholm - Damp - Möltenort 280 14
             

* ohne Meldung an Landesseglerverband

Gewinner der Fahrtenpreise 2018

Erster Preis: Gerhard Menke / Jule

Der erste Preis für die Saison 2018 geht an Gerhard Menke für seine Reise rund um die Ostsee einschließlich Kaliningrad. Gerhard hat mit seiner Dehler 34 zwischen Anfang Juli und Anfang August 1881 Seemeilen zurückgelegt. Weite Strecken davon wurden einhand gesegelt, der Rest des Törns mit wechselnden Crews. Er hat teils schwierige Wetterverhältnisse im Baltikum gemeistert und auch umfangreiche Erfahrungen mit russischen und polnischen Zollbehörden sammeln dürfen. Ein detaillierter Bericht findet sich in der letzten Herbstausgabe des MSK-Logbuchs. Wir gratulieren zur erfolgreichen Durchführung dieser beeindruckenden Reise!

 

Zweiter Preis: Holger Scheidler / Enjoy!

Der zweite Preis geht an Holger Scheidler für seine Reise über Rügen nach Gotland und zurück über die schwedische Südküste sowie rund Seeland. Zurückgelegt wurden insgesamt 1165 Seemeilen. Der frühe Start Anfang Mai hat zunächst niedrige Temperaturen und überwiegend frischen Ostwind mit sich gebracht, bevor in Schweden dann der echte Sommer begann. Diverse Crewwechsel und zwei geplante Heimreisen aus familiären Gründen mit den entsprechenden logistischen Herausforderungen wurden ohne Zwischenfälle gemeistert. Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Preis!

 

Dritter Preis: Jan-Peter und Dörte Rath / Imme

Der dritte Preis geht dieses Jahr an Jan-Peter und Dörte Rath für ihre Reise auf der Winga 87 (29 Fuß, Yardstick 115) nach Rügen / Usedom und zurück. In drei Wochen, davon 14 Tage auf See, wurden 425 Seemeilen zurückgelegt. Während der einzigen „Schwächeperiode“ des Traumsommers 2018 wechselten sich häufig Gewitter- und Regentage mit anhaltenden Flauten ab. Dennoch wurden auf Hin- und Rückreise lange Etmale zurückgelegt. Im Zielrevier konnten interessante Erfahrungen über Land und Leute gesammelt werden. Auch zu dieser Ehrung unsere Glückwünsche!

 

Preis für die besondere Reise: Meinhard und Sabine Jaster / VAELTA

Der Preis für die besondere Reise 2018 geht an Meinhard und Sabine Jaster. Auf ihrer Bandholm 30 führte der diesjährige Sommertörn über insgesamt 1197 Seemeilen an die schwedische Ostküste und zurück durch den Götakanal. Es wurden zum Teil große Etmale auf den See-Etappen zurückgelegt. Und auch nach 64 Schleusen sowie 66 Brücken im sogenannten „Scheidungskanal“ ist die Crew vollzählig in den Heimathafen zurückgekehrt. Trotz kleiner Pannen wurde diese Reise erfolgreich absolviert und wie immer perfekt dokumentiert (Logbuch 2-2018). Wir gratulieren zu Preis für die besondere Reise!

 

Preis für die sportliche Reise: Michel Groth und Crew / Jugendwanderkutter MiM

Der überreichte Pizzagutschein für den Gewinn des Preises für die sportliche Reise im letzten Jahr scheint ein erfolgreicher Ansporn gewesen zu sein: Auch für 2018 gewinnt die Crew des vereinseigenen Jugendwanderkutters MiM diesen Preis. In 12 Tagen wurden in der dänischen Südsee 200 Seemeilen zurückgelegt. Die geringe Crewstärke von 6 Jugendlichen machte das Leben an Bord verhältnismäßig komfortabel, aber das Pullen während ausgedehnter Flauten war deshalb um so anstrengender. Die Crew hat anspruchsvolle Segel- und Hafenmanöver gemeistert, und auch Herausforderungen an Land, wie z.B. das Erreichen des nächstgelegenen Krankenhauses in Dänemark. Wir gratulieren zum Preisgewinn und sind gespannt, ob es in der Saison 2019 zum Triple reichen wird!

 

Familienpreis: Rüdiger Falk und Familie / ZEPHYROS

Der Familienfahrtenpreis geht auch dieses Jahr an Rüdiger Falk und Familie für die Reise mit ihrer Victoire 22 in den Großen Belt bis Kerteminde und zurück. In anderthalb Wochen wurden 215 Seemeilen zurückgelegt. Mit dem kleinen Fahrtenschiff wurden wieder große Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt – natürlich abermals von Juniorskipper Mathis an der Pinne. Auch wenn der geplante Törn rund Fünen wegen der vorherrschenden Winde in den wenigen verfügbaren Urlaubstagen nicht vollendet werden konnte, wurden teilweise beachtliche Etmale erreicht. Und es war offensichtlich wieder ein gelungener Törn – sowohl für die Eltern, als auch für den jugendlichen Segelnachwuchs. Herzlichen Glückwunsch zum Familienpreis!

 

Anerkennungspreise:

Ein Anerkennungspreis geht dieses Jahr an Ludwig Ehlenberger für eine Reise mit seinem 14-jährigen Neffen auf der Smuggler (Sagitta 26) durch die dänische Südsee. Ein weiterer Anerkennungspreis geht an Hanfried Loss und seiner 5-köpfigen Crew für die Reise mit der vereinseigenen Teamwork nach Samsö und zurück. Ein dritter Anerkennungspreis geht an Dirk und Silke Petersen. Auf der Yale Blue segelten sie vom Skagerrak über die schwedische Westküste nach Möltenort. Und schließlich geht ein Anerkennungspreis an Maike Stahl und Familie für ihre Reise vom Kattegatt zurück nach Möltenort.

 

Wir bedanken uns bei allen Skippern und deren Crews für die Teilnahme am Fahrtenpreiswettbewerb 2018 und hoffen auf eine ebenso rege Beteiligung im Jahre 2019!

Antigua – St. Lucia – Martinique – Les Saints/Guadeloupe - Antigua

Segeln in den Windward Islands im Februar sollte eigentlich eine einfache Sache sein: Ein handiger Ostpassat mit konstanten 3 bis 5 Beaufort, bequeme Kurse mit halbem Wind nach Süden und mit halbem Wind zurück nach Norden. Genau die richtigen Rahmenbedingungen für einen entspannten Törn, um dem norddeutsch grauen Winter zu entfliehen und eine kleine Entschädigung für den letzten sogenannten Segelsommer in Nordeuropa zu bekommen.

Das Vorkommando kommt mit 4 Tagen Vorlauf am 30. Januar 2018 auf Antigua an. Genug Zeit für die üblichen Aktivitäten: Mietwagen besorgen, Lage vor Ort sondieren, Inselrundfahrt, Proviant einkaufen, mit dem Hafenmeister Liegeplätze klären und – besonders beliebt – Gas besorgen. Die Vorcrew kommt mit der „Bank von Bremen“ pünktlich zur vereinbarten Zeit im Antigua Yacht Club an und ist gar nicht so leicht zu finden: Der kurze Stummelmast unserer Segelyacht „Bank von Bremen“ mit seinen bescheidenen 26 Metern Höhe wird komplett verdeckt durch die Aufbauten der umliegenden Motoryachten. Eigentlich würde man den Schiffsnamen „Tender to …“ Und nicht „Bank von Bremen“ erwarten.

 

Erstaunte Blicke ernten wir von den uns umgebenden Superyachties und auch von den Locals, als wir doch tatsächlich selbst Hand anlegen, um unser Schiff für die Abreise vorzubereiten und die üblichen Servicearbeiten auszuführen. Ein absoluter Fauxpas dann unsere Idee, selbst den Müll zur Sammelstation in der Marina zu bringen. Und dann erst die mitleidigen Blicke von den Decks ganz weit oben, als wir am Sonntag gegen 14 Uhr in unserer Nussschale mit zehn Mann an Bord auslaufen. Da fühlen wir uns so richtig klein und arm.

Vielleicht war dieses Gefühl der Armut auch der Grund, warum wir etwas sparsam waren mit dem „Schluck für Rasmus“ nach dem Auslaufen. Kein handiger Wind sondern durchgängig 6 bis 7, in Böen 8 Bft auf unserem Weg vor den Inseln auf der Atlantikseite nach Süden. Dazu eine ruppige See, da der Südostpassat gegen den Strom steht, eine unübliche Konstellation während dieser Jahreszeit. Irgendwie haben wir Rasmus mit der zu knappen Ration wohl verärgert. Jedenfalls geben wir unseren Plan, nach Barbados durchzusegeln am Montagabend auf. Wir fallen ab auf einen raumen Kurs in die Passage zwischen Martinique und St. Lucia und erreichen Marigot Bay auf St. Lucia kurz nach Mitternacht.

 

Wie üblich vergehen am Dienstag etliche Stunden mit der Bürokratie des Einklarierens und der Organisation eines der begehrten Mooringplätze in der inneren Bucht. Eine Wohltat, von unserem AußenLiegeplatz dorthin verholen zu können: selbst durch dieses geschützte „Hurricane Hole“ ziehen ständig Böen von 6 Bft. Wir belohnen uns mit einem leckeren Abendessen bei Doolittles und einer Inselrundfahrt am Mittwoch. Üppige Vegetation, tolle Blicke von der Küstenstraße, exotische Impressionen vom karibischen Way of Life in Soufrière und eine Mittagspause in einem lokalen Restaurant in einem der typischen bunten Holzhäuser lassen uns gestärkt auf die nächste Etappe gehen. Aber wohin: Süd oder Nord? Eigentlich waren die Tobago Keys unser Ziel. Normalerweise kein Ding. 80 Seemeilen und eine gute Windprognose für die nächsten Stunden sowie die Aussicht auf frisch gefangene Hummer direkt vom Fischer lassen uns in Versuchung kommen, weiter nach Süden zu segeln. Wenn da nicht die Prognose für die darauffolgende Woche wäre: Durchgängig Nordost mit 6 bis 7, in Böen 8 Bft. Sicherlich kein Vergnügen, unter diesen Bedingungen knapp 300 Seemeilen zurück nach Norden zu bolzen. Rasmus war wirklich verärgert. Also siegt die Vernunft: Wir segeln schon jetzt in kleinen Etappen zurück nach Norden.

Fort-de-France auf Martinique erreichen wir nach langsamer Fahrt durch die Nacht unter kleiner Besegelung bei Sonnenaufgang. Auf der gut belegten Reede haben wir bei Starkwind und schlechtem Ankergrund Gelegenheit, ausgiebig mit dem neuen Ankergeschirr zu trainieren. Dafür ist das Einklarieren einfacher. Wir sind ja schließlich in Frankreich. Überhaupt wähnt man sich in der Hauptstadt der Insel eher in einer Provinzstadt Südfrankreichs, als in der Karibik. Was leider auch für das Nachtleben gilt: Nach 18 Uhr ein Restaurant oder ein gemütliches Straßencafé zu finden, entpuppt sich als Ding der Unmöglichkeit. Aber an Bord ist es ja auch ganz gemütlich!

 

Auslaufen am Freitagnachmittag zunächst zur Bunkerstation, um neues Wasser zu nehmen. Interessante Erfahrung hierbei: die gedruckte Detail-Seekarte für den inneren Hafen von Fort des France ist um exakt 1 Grad nach Westen verschoben. Unproblematisch in Zeiten der Kartenplotter, aber dennoch spannend! Ruhiger Wind trägt uns anschließend langsam aus der Bucht von Fort-de-France. Auch leeseitig von Martinique können wir kurzzeitig ein entspanntes Karibik-Segeln praktizieren - bis zur Passage zwischen Martinique und Dominica. Dort genießen wir wieder den Umstand, dass die Wellen, die bei 6 bis 7 Bft regelmäßig in die Pflicht einsteigen, relativ warm sind. Gleichzeitig ist es die richtige Einstimmung auf die Passage zwischen Dominica und den Iles des Saints: Dort geht der Wind in der Morgendämmerung bis auf 8 Bft hoch. Rasmus ist wirklich nachtragend und das Bild der im Ölzeug vermummten Mannschaft im Cockpit erinnert eher an einen herbstlichen Helgoland-Törn als an die Karibik.

Aber die herrliche Ankerbucht im Archipel Les Saints südlich von Guadeloupe entschädigt für alle Strapazen: Ein unglaubliches Panorama, eine relativ geschützte Bucht, ein niedlicher Ort mit zahlreichen Cafés und Restaurants. Denn auch in dieser Bucht weht es durchgehend mit 5 bis 7 Bft. Also erst mal wieder Zwangspause, aber in durchaus angenehmer Umgebung. Die Zeit wird bestens genutzt mit den üblichen kleinen Arbeiten am Boot, Wanderungen und Ausflügen per Schnellfähre auf die Hauptinsel Guadeloupe. Nach 3 Tagen dann endlich die Chance für eine Überfahrt bei vorübergehend nur 25 bis 30, in Böen 38 Kn Wind. Also wieder kleine Besegelung und dann kurz vor Sonnenuntergang Leinen los für die letzte Etappe Richtung Antigua.

 

Von der Tatsache, dass wir anderthalb Tage früher als notwendig im Übergabehafen festmachen, profitiert die Nachfolgecrew: wir haben mehr als genug Zeit für eine sehr gründliche Schiffsreinigung, alle Gasflaschen können gefüllt werden und der Ölwechsel wird kurz vor Fälligkeit durchgeführt. Sogar das Dinghi mit seinen ersten Sonnenschäden kann „just in time“ kurz vor dem Rückflug von der Reparaturfirma wieder abgeholt werden.

Fazit der Reise: wir alle waren überrascht von der untypischen Windsituation. Mit einer Verkürzung der Route haben wir konsequent darauf reagiert, um Boot und Mannschaft nicht ohne Not übermäßig zu beanspruchen. Und trotzdem hatten wir Spaß und konnten tolle Impressionen sammeln. Und bei der nächsten Reise wird der Schluck für Rasmus üppiger ausfallen. Versprochen!

Wir waren schon öfters in den Schwedischen-Ostschären segeln, aber der Abstecher nach Gotland passt nie. Aber nun im Sommer 2018 sollte es sein.

Da die Bordfrau auch gerne mal zwischendurch daheim ist wurde die Planung in verschieden Etappen vorgesehen. Bereits einen Tag nach Himmelfahrt (11. Mai) starteten Holger und ich mit dem Ziel Stralsund, das wir bis Pfingsten erreichen wollten. Diese Etappe lief bei meist O 3-4 schneller als geplant, so dass wir noch östlich um Rügen segelten. In Sassnitz blieb unsere ENJOY! ein paar Tage im Stadthafen liegen und wir fuhren zum Geburtstag unseres Enkelkindes nach Hause. Von hier segelte Holger mit einer Männercrew für eine 14 tägige Tour los, die über Hanö nach Mönsterås (Nordausgang Kalmarsund) ging.

 

Nach diesen zwei Wochen Heimaturlaub ging meine Fahrt dann am 7. Juni mit dem Auto ca. 700 km nach Schweden zum Ort Mönsterås. Die erste Etappe ging nach einer kleinen Reparatur des Motors (Seegras verstopfte die Wasseransaugung) erst nachmittags nach Sandvik auf die Insel Öland. Am kommenden Tag nördlich nach Byxelkrok, um von dort aus unseren „Sturm auf Gotland“ in die Tat umzusetzen. Sturm kam netterweise nicht, aber ein herrlicher Segeltag von 48 sm erwartete uns. Wir starteten bereits in der Früh und konnten überwiegend mit Halbwind- später Raumschotkurs bei schönem Sommerwetter bereits um 14 Uhr in Visby fest machen. So kann Segeln wirklich Spaß machen!

Bereits in der Vorbereitung waren wir uns einig, dass wir Gotland nicht umrunden werden, sondern Visby als Basishafen nutzen wollen. Die anderen Häfen erschienen uns für die Vorsaison zu einsam und abgelegen. So war klar, dass die ENJOY! im Hafen von Visby liegen bleibt und die Insel mit Fahrrad und Leihwagen erkundet wird. Visby, eine sehr hübsche, alte und geschichtsträchtige Stadt hat viel zu bieten, Weltkulturerbe, Stadtmauer, Kirchen, viele kleine Gassen und einen Botanischen Garten für Pflanzen und Kulturveranstaltungen nehmen die ersten beiden Tage voll in Anspruch. Am dritten Tag nehmen wir einen Leihwagen direkt vom Hafenmeister. Alt und bereits viele km gelaufen, aber er bringt uns zuverlässig in den südlichen Teil der Insel.

 

Wie es bei Seglern nun mal ist, zieht es uns immer wieder in die Häfen und wir bekommen bestätigt, dass Visby eine gute Adresse ist und die anderen Häfen nur eine „Notlösung“ darstellen. Klinthamn und Burgvik wirken ziemlich verlassen und sind absolut keine Urlaubshäfen. Neben einigen kleinen netten Orten sind das „Natarum“ und die Raukar-Felsen im Süden der Insel besonders erwähnenswert. Vom Start an der Westküste in südlicher Richtung und zurück an der Ostküste durch das Landesinnere hatten wir abends ca. 200 km auf dem Kilometerzähler. Da wir uns am 12.06.2018 noch in der schwedischen Vorsaison befinden, ist nicht nur der Hafen Visby sehr überschaubar gefüllt, auch die Orte sind noch im „Winterschlaf“! Auf der Autotour fanden wir sage und schreibe kein Café welches geöffnet hat. So blieben wir Selbstversorger und genießen den Kaffee am frühen Abend an Bord doppelt! Am kommenden Tag ist Ausschlafen, für Holger geht’s zum Wäsche waschen, lesen und Museum sowie Stadtbummel mit Eisessen auf dem Programm - denn es ist ja Urlaub!? Am kommenden Tag werden die Bordfahrräder klar gemacht und wir radeln an der Westküste in Richtung Norden. Ein sehr schöner Küstenweg führt uns vorbei an Ferienhausgebieten, zwei kleinen Häfen hin zu den Lummla-Grotten. Erst eine kleine Wanderung durch den Naturstieg und später eine geführte Besichtigung durch die Grotten. Am späten Nachmittag sind wir gerade noch rechtzeitig zu Kaffee und Eis wieder an Bord und können das herrliche Wetter genießen. Mit jedem Tag füllt sich der Hafen etwas mehr, aber immer noch sind reichlich Liegeplätze zu bekommen. Am kommenden Tag geht es mit dem nächsten Mietwagen von der Hafenrezeption (Alter ?? mit 450.000 km auf dem Tacho) los, es kommen teilweise Bedenken auf ob wir abends wieder am Schiff ankommen werden. Die Nordtour führt uns über Lummelunela, Kappelshamn zur Blauen Lagune. Ein alter Kalksteinbruch, der geflutet wurde und herrlich blaues schon warmes Wasser hat. Weiter geht’s zur nördlichen Spitze der Insel und dann noch mit der Fähre über den Färosund. Herrliche Strände, super schöne Natur und das Ingmar Bergmann Museum runden diesen schönen Ausflug ab. Auf dem Rückweg besuchen wir dann noch die Nordostseite der Insel Gotland mit dem Ort und Hafen Slite – leer, aber okay und für den Notfall als Anlaufhafen geeignet. Vorbei an Europas größter Zementfabrik mit Fabrikgelände und Aussichtpunkt geht es zurück zum Schiff nach Visby! Hurra geschafft, die alte Karre hat durchgehalten.

 

Schnell Abendessen an Bord und danach zum Konzert in die Kirchenruine St. Clemens.

Am kommenden Tag (16. Juni) heißt es Abschied nehmen, da Windrichtung und Stärke für uns gut sind. Außerdem soll in 2 Tagen Starkwind kommen. Vor dem Hafen steht erst eine unangenehme Welle, aber dann geht es zügig in Richtung Västervik. Beim Einlaufen in den Schärengürtel werden wir an Steuerbord auf die kleine Insel Idö nach 51sm aufmerksam und beschließen spontan dort einzulaufen. Es ist dort so schön, dass wir auch am kommenden Tag bleiben. Für die nächsten Tage ist Starkwind vorhergesagt und so motoren wir nach Västervik und machen dort für ein paar Tage fest und vertreiben uns die Zeit mit einer Ausflugsfahrt mit dem kleinen Schärenboot in die Schären nach Haselö und umwandern die Insel. Spät nachmittags läuft noch die VAELTA mit Sabine und Meinhard ein, die auf dem Weg zum Götakanal sind. Wir bleiben noch ein paar Tage. Denn wir wollen hier ein touritisches schwedisches Midsommarfest erleben, ansonsten wird ja immer nur privat gefeiert. Und es wurde toll, Baumschmücken, aufstellen und dann mit Musik, Singen und Tanz um den Baum.

 

Nach herrlichen Sommertagen an der schwedischen Ostküste und auf Öland machen wir uns auf den Weg nach Karlskrona, wo wir eine zweite Urlaubsunterbrechung machen werden. Familie Döring übernimmt unsere Yacht in Dragsö/Karlskrona (vom 7. bis 20. Juli) und wir fahren für 2 Wochen auf Heimaturlaub nach Heikendorf. Uns erwarten einige Geburtstage und Familienfeiern.

Holger fährt danach mit dem Auto wieder nach Karlskrona zurück und segelt mit René ein Stück in Richtung Heimat, während Monique mit den Kindern per Auto und Fähre zurückfahren. Schwedens Südküste wird bei bestem Sommerwetter gerundet und dann durch den Öresund mit Abstecher nach Ven zur dänischen Rivera gesegelt.

In Hornbeck gehe ich am 29. Juli wieder an Bord und René fährt mit unserem Auto nach Heikendorf. Wir bummeln zuerst langsam um Nord-Seeland, Odden, Sejerø usw. nach Korsør bei immer noch herrlichem Sommerwetter. Aber wie Meno vorhersagt soll ein Tief hochziehen mit Wetteränderung (W 7-9 und Regen zum Wochenende). Also entschließen wir uns, dass die dänische Südsee ausfällt und wir über Marstal direkt nach Hause segeln werden. Unser Sommer war schön, abwechslungsreich und so laufen wir nach 90 Tagen am 9. August wieder in Möltenort ein!